Versicherungen im Islam – Die Basics

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Wer sich mit seinen Finanzen beschäftigt, darf den Bereich der Versicherungen nicht außer Acht lassen. Gerade in diesem Bereich gibt es bestimmte Regeln, die für Muslime gelten.

„Im Falle der Assekuranz ist es Muslimen nicht erlaubt, Verträge bei bestimmten Versicherungsformen abzuschließen.“

Es gibt verschiedene Versicherungsformen, die unterschiedlich beurteilt werden. Man unterscheidet zwischen kommerziellen und genossenschaftlichen Versicherungen. Gesondert werden daraufhin islamische Versicherungen betrachtet. In dem konventionellen Finanz- und Versicherungswesen sind vor allem kommerzielle, d.h. gewinnorientierte Versicherungen vorzufinden. Diese Versicherungen funktionieren insofern, dass der Versicherte einen regelmäßigen Beitrag an die Firma bezahlt, mit welcher er vertraglich gebunden ist. Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist, dass der Versicherte an der Firma in keiner Weise beteiligt ist. Die kommerziellen Versicherungen verbuchen beträchtliche Summen an Gewinn, da die Versicherten keinen Anspruch auf das Geld haben, wenn ihnen kein Schaden widerfahren ist. In diesem Fall bleibt der Überschuss im Besitz der Versicherungsfirma. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherten mehr Geld einbezahlen, als Schäden tatsächlich eintreffen liegt tendenziell höher.

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Der richtige Versicherungsschutz ist wichtig!

Kommerzielle Versicherungen sind für Muslime grundsätzlich verboten. Aber warum?

1. Der erste wesentliche Grund für dieses Verbot ist die Tatsache, dass etwas verkauft wird, was im Prinzip nicht existiert und nicht wirklich definiert werden kann. Der Versicherte verpflichtet sich zur Zahlung einer Prämie für eine Gegenleistung, die nicht greifbar und garantiert ist. Darüber hinaus geht das Geld in jedem Fall an die Versicherungsfirma, die davon profitiert. Es fällt unter den Kundenbetrug, Dinge zu verkaufen, die ungewiss sind. Die Argumentation, dass Versicherungen bei Schadensfall eine Leistung insofern erbringen, dass sie den Schaden abwenden oder erleichtern, wird nicht als Arbeit angesehen. Die gegebene Gefahr ist kein Gut, welches man besitzen kann, um dann daraus Geschäfte zu machen.

2. Die Versicherungen und die Versicherten gehen im Grunde ein Glücksspiel ein. Es wird nämlich ein Vertrag über etwas geschlossen, was ungewiss ist und einen hohen Risikoprozentsatz aufweist. Dabei können beide Parteien einen Gewinn erzielen, ohne eine tatsächliche Gegenleistung erbracht bzw. einen korrekten Handel abgeschlossen zu haben. Der Versicherer erzielt einen Gewinn, wenn es nicht zu einem Schadensfall bei dem Versicherten kommt. Die versicherte Person kann hingegen einen Gewinn erzielen, wenn er beispielsweise kurz nach Vertragsbeginn einen Schaden erleidet und dann von der Versicherung mehr erhält, als er an Prämie gezahlt hat.

3. Aus dem vorherigen Punkt geht auch hervor, dass es sich um eine Art Wette handelt, denn die eine Partei kann einen Gewinn schöpfen, wenn das Eintritt, auf was sie gesetzt hat.

4. Die Transaktionen  basieren auf zwei Arten von Zinsen. Es kann zu einem Überschusszins kommen, wenn der Versicherte mehr Geld erhält als er der Firma bezahlt hat. Diese Partei ist bei kommerziellen Versicherungen nicht an der Firma beteiligt, noch hat die versicherte Person eine Leistung erbracht. Laut islamischer Definition kann ein sogenannter Verzögerungszins vorliegen, wenn der Versicherte erst nach einer bestimmten Zeit von den einbezahlten Prämien profitiert und der Wert der Versicherungsleistung die Prämie übersteigt.

, Versicherungen im Islam – Die Basics, Fast alle Altersvorsorgen, wie Riester, Rürup, Bausparverträge und betriebliche Altersvorsorge investieren über einen Zins und sind somit kommerziell und für streng muslimisch gläubige Menschen verboten.

Eine weitere Versicherungsform neben der kommerziellen Versicherung ist die sogenannte genossenschaftliche oder kooperative Versicherung. Diese Form differenziert sich in eine einfache und eine zusammengesetzte Form. Beide dieser Formen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Versicherten zu Teilhabern werden und damit sowohl das Versicherungsunternehmen als auch die die versicherte Person darstellen. Bei der einfachen Form schließen sich Menschen zusammen, die sich Gefahren ausgesetzt sehen, und sammeln durch eine regelmäßige Einzahlung auf ein gemeinsames Konto eine Summe an, die dazu dient, dass man sich im Ereignisfall gegenseitig finanziell aushelfen kann. Diese Form ist dadurch gekennzeichnet, dass es keinen Profit, Gewinn oder Investitionen gibt. Im Kern ist die zusammengesetzte Form ähnlich aufgebaut. Der wesentliche Unterschied ist allerdings, dass eine Firma für diesen Zweck gegründet wird. Die Firma besteht dann aus den Versicherten, die durch die Zahlung der Beiträge zu Teilhabern werden, einer Teilhaberversammlung und aus einem Vorstand. Letzterer ist mit dem Tagesgeschäft der Versicherung beauftragt. Das Geld, welches die Versicherten einzahlen, bleibt in ihrem Besitz und wird für sie verwendet. Die zusammengesetzte Form zielt damit – wie die einfache Form – nicht auf einen Gewinn ab, sondern viel eher auf eine Kooperation. Es beruht auf dem Gedanken des Zusammenhalts und des Spendens.

Eine islamische Versicherung könnte so aussehen, dass sie auf dem genossenschaftlichen Prinzip beruht. Allerdings müssten die Versicherten dann darauf achten, dass sie es um das Zins-Prinzip, auf welches die genossenschaftlichen Versicherungen meist beruhen, bereinigen. In den anderen Punkten ähneln sich diese Versicherungsformen, denn auch bei der islamischen Form wird eine Firma gegründet, die mit der Verwaltung des Geldes und dem Ablauf der Tagesgeschäfte beschäftigt ist. Sie wird mit einer vorher festgelegten und fixen Vergütung entlohnt. Der Überschuss kann den Versicherten ausgezahlt oder in Islam-konforme Projekte investiert werden.

Aufgrund dieser Ähnlichkeit ist eine Einzelprüfung solch genossenschaftlicher Versicherungen möglich, sollte es genügend Hinweise geben, dass keine verbotenen Merkmale einer Versicherung (wie z.B. Zinsen oder Investitionen in nicht Islam-konforme Projekte) vorliegen.

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